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Wenn wir an den Netbook-Hype der späten 2000er Jahre denken, fallen uns sofort klobige Plastikkisten wie der Asus Eee PC oder Acer Aspire mit Windows XP ein. Sie waren billig, praktisch und überall zu sehen. Doch im Jahr 2009 betrat ein Mobilfunkriese die Arena und präsentierte etwas völlig anderes: das Nokia Booklet 3G.

Wir lieben wir Hardware, die Grenzen verschiebt oder den Status quo herausfordert. Das Booklet 3G war genau so ein Gerät – ein faszinierender, kurzer Ausflug von Nokia in den PC-Markt, gebaut mit der DNA eines Premium-Smartphones.

🛠️ Ein handwerkliches Meisterwerk

Statt aus glänzendem, knarzendem Plastik fertigte Nokia das Booklet 3G aus einem einzigen Block Flugzeug-Aluminium. Es war lüfterlos, komplett geräuschlos und besaß ein wunderschönes, glasbeschichtetes 10,1-Zoll-Display mit einer Auflösung von 1280x720 – ein gewaltiger Sprung im Vergleich zu den standardmäßigen 1024x600-Bildschirmen der Konkurrenz.

Die Kernspezifikationen von 2009:

  • Prozessor: Intel Atom Z530 (1,6 GHz) – lüfterlos und hocheffizient … und laaangsam :)
  • Arbeitsspeicher: 1 GB DDR2 RAM (leider fest verlötet!)
  • Speicher: 120 GB 1,8-Zoll-Festplatte.
  • Konnektivität: WLAN, Bluetooth, integriertes GPS und das namensgebende 3G-Modem mit einem Hot-Swap-SIM-Kartensteckplatz an der Seite.
  • Akkulaufzeit: Atemberaubende 12 Stunden.

Im Grunde war es bereits ein Ultrabook, noch bevor es diese Kategorie überhaupt offiziell gab. Man konnte es überallhin mitnehmen, eine SIM-Karte einlegen und online bleiben – ganz ohne das lästige und akkufressende Tethering früherer Smartphones.

Größenvergleich mit MacBook 11"

🐧 Perfekte für offene Systeme: antiX Linux zieht ein

Ab Werk wurde das Booklet 3G durch Microsofts bekanntermaßen träge Windows 7 Starter Edition ausgebremst, die, gepaart mit dem mageren 1 GB RAM und der langsamen 1,8-Zoll-Festplatte, oft für Frust im Alltag sorgte.

Doch genau das macht das Gerät im Jahr 2026 zu einer so genialen Spielwiese für die Retro- und Open-Source-Community. Fegt man Windows 7 von der Platte und ersetzt es durch ein echtes Leichtgewicht, haucht man diesem wunderschönen Gehäuse völlig neues Leben ein. Für unser OSfOM-Gerät haben wir uns ganz bewusst für antiX Linux entschieden.

Da antiX speziell für ältere Hardware entwickelt wurde und komplett ohne systemd auskommt, ist es die absolute Wunderwaffe für den Atom Z530 Prozessor. Im Leerlauf verbraucht es nur einen winzigen Bruchteil des Arbeitsspeichers, den moderne Distributionen verschlingen. Tauscht man die Festplatte noch gegen eine SSD, startet antiX mit einem schlanken Window Manager wie IceWM und verpasst dem Terminal-Hintergrund einen eleganten, tiefen Lilaton (damit das edle Glasdisplay so richtig zur Geltung kommt), hat man plötzlich eine lautlose, unglaublich schickes und mobiles System für SSH-Sessions, Schreibarbeiten und Retro-Web-Browsing.

💡 Das Vermächtnis

Das Nokia Booklet 3G war zu teuer für die typischen Netbook-Käufer und zu schwach auf der Brust für das Premium-Laptop-Segment – was es zu einer echten kommerziellen Rarität machte. Wenn man es jedoch heute in den Händen hält, muss man die Verarbeitungsqualität einfach bewundern. Es fühlt sich an wie ein Gerät, das seiner Zeit ein Stück voraus war und von einer immer vernetzten, lüfterlosen Zukunft träumte, die für uns heute selbstverständlich ist.

Habt ihr auch ein Nokia Booklet 3G in eurer Sammlung? Welches Betriebssystem läuft bei euch darauf, um diese Aluminium-Schönheit am Leben zu erhalten? Lasst es mich wissen!